Freitag, 10. August 2012

Tag 6: Der Tag im Auto

Wie versprochen, darf Bernie wieder seinen frühmorgendlichen Kommentar zum Zeltplatz abgeben:



Nach dieser offensichtlich "erholsamen" Nacht waren wir also wieder bereit fürs Auto. Und in diesem sollten wir mehr oder weniger den gesamten Tag verbringen. Unsere Fahrt führte uns von unserem Zeltplatz westlich von Bodø (A) immer Richtung Süden, zuerst am Polarkreis (B) vorbei, dann weiter nach Mo i Rana (C) und schlussendlich bis auf einen Campingplatz (D) 23km vor Steinkjer. In Summe stolze 535 km. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 67 km/h (mehr ließ die kurvenreiche Strecke und die blöden Pässe nicht zu) ergab sich eine Nettofahrtzeit von 8 Stunden.


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Während dieser schier endlosen Fahrt gab es wenige Highlights zu sehen und auch das schlechte Wetter hüllte die Landschaft in ein monotones, langweiliges Grau. Es sei noch einmal betont, wie wichtig es in solchen Situationen ist, ausreichend gute Musik im Auto zu haben! ;) Nach den ersten 121 km erreichten wir das erste - und eigentlich einzige - "Highlight" dieser Fahrt: den Polarkreis. Im Video seht ihr, wie begeistert wir von diesem Platz waren:




Was uns hier aber nochmal bewusst wurde war, dass sich all das, das wir bisher erlebten, nördlich des Polarkreises abgespielt hatte. Wenn man sich mal auf einer Karte ansieht, wie weit dieser Polarkreis im Norden ist, dann ist das schon irgendwie erstaunlich.

Unseren nächsten Stopp absolvierten wir 80km weiter in der wenig einladenden Industriestadt Mo i Rana (C). Dieser Halt diente ausschließlich der Nahrungsaufnahme und dem Auffüllen unserer Vorräte. Nach mehreren Tagen Dosenfutter, gönnten wir uns hier wieder mal eine "richtige" Mahlzeit:



Mit vollen Bäuchen ging's anschließend wieder auf die Straße - und zwar für eine recht lange Zeit. Unser nächster Halt (Pinkelpausen ausgenommen) war nämlich gleichzeitig auch unser Tagesziel - der Campingplatz Kvam (D), 23 km nördlich von Steinkjer. Da es gerade wieder mal wie aus Eimern schüttete, wollten wir unter allen Umständen vermeiden, bei diesem Hundswetter unser Zelt aufbauen zu müssen. Also hielten nach einem Campingplatz Ausschau, auf dem wir ein kleines Hüttchen mieten konnten. Und am Campingplatz Kvam - wunderschön an einem See gelegen - hatten wir Glück: wir bekamen die letze freie Hütte!

In diesem kleinen Hüttchen quartierten wir uns für diese Nacht ein

Auch wenn die Hütte nicht gerade viel Platz bot, oder vielleicht gerade deswegen, war sie wirklich sehr gemütlich und wir waren mehr als glücklich, den Abend im Trockenen und Warmen verbringen zu können.



 Und hier unser Lagebericht in bewegten Bildern:




Nach dem leckeren Abendessen, das uns Bernie  in der Hütte gezaubert hatte,  und einer erfrischenden Dusche, verbrachten wir den Abend in der Bar des Camping Platzes. Dort gab es nämlich WLAN und "günstiges" Bier um 8,- Euro pro Glas ;) Nach einem lustigen Skyper mit unserem Kumpel Andi und EINEM Glas Bier, ging's dann gegen Mitternacht ins Bett. Und zwar endlich wieder einmal in ein richtiges Bett!

Der nächste Tag hatte wieder richtig viel Abwechslung zu bieten: Zuerst gings zum Sightseeing runter nach Trondheim, danach in die Nähe von Tolga, wo wir auf einer Farm bzw. auf einer Alm einen urigen Abend verbringen durften. Dass wir dort hinkamen, war natürlich kein Zufall - mehr dazu aber im nächsten Eintrag.

Sonntag, 5. August 2012

Tag 5: Lofoten - Landschaften wie aus dem Bilderbuch

Tag 5 unseres Norwegen Road Trips begann - wie soll man sagen - etwas durchwachsen. Am besten, wir lassen das Bernie kommentieren:



Kein Wasser mehr für den Kaffee und immer noch jede Menge Mosquitos - das waren gleich zwei gute Gründe unsere Zelte so schnell wie möglich abzubrechen und unsere Fahrt auf die Lofoten fortzusetzen.
Unser Ziel für diesen Tag stand fest: Gemütlich bis nach Moskenes (H) zu fahren und dabei die Landschaft der Lofoten so richtig zu genießen und dann per Fähre nach Bodø (I) überzusetzen und dort einen geeigneten Zeltplatz zu finden. Dieser Plan ging schlussendlich auch auf, auch wenn nicht alles so verlief, wie's eigentlich geplant war ;)


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Wir hatten zwar kein Wasser mehr, aber dafür noch ein paar Chocolate Chip Cookies übrig, die uns die ersten 63 Kilometer bis nach Svolvaer (B) versüßten. Dort angekommen, peilten wir gleich das Zentrum des schön gelegenen Städtchens an, um uns schnellstmöglich die obligatorische Dosis Koffein zuzuführen. Auf der Terrasse eines am Hafen gelegenen Cafès konnten wir dieses Bedürfnis stilgerecht befriedigen. Die Sonnenstrahlen, die sich langsam gegen die zähe Wolkendecke durchsetzten, entschädigten uns für den wenig beigeisternden Geschmack des Kaffees. Wir waren uns einig: Einen Supermarkt zu finden, wo wir unsere (Wasser-)Vorräte auffüllen konnten - das hatte nun oberste Priorität! Im kleinen Svolvaer keine schwierige Aufgabe. Gerade mal ein paar Straßen weiter war er schon, der erlösende "Coop Mega" Markt. Neben Wasser, fanden wir noch weitere nützliche Dinge:



Was sich wohl die zwei Pensionisten im Hintergrund von uns dachten? Egal. Der Kofferraum unseres Passats war wieder vollbeladen mit allerlei notwendigen und weniger notwendigen Lebensmitteln und so konnten wir unsere Fahrt unbekümmert fortsetzen. Vorher gings aber nochmal kurz ins Zentrum, um uns in der Tourist-Info Postkarten zu kaufen und einen Fährplatz nach Bodø reservieren zu lassen. Der nette Herr dort ließ uns wissen, dass man für unsere Route keine Plätze (mehr?) reservieren konnte und riet uns daher, möglichst früh in Moskenes zu sein, um auch ja auf die Fähre zu kommen. Also trödelten wir nicht lange rum und begaben uns wieder on the Road.



Je weiter wir nach Süden kommen, desto markanter wird die Landschaft

Nach 83 km fühlten wir uns am wunderschönen Flakstadpollen (C) trotz des Zeitdrucks doch dazu "genötigt" stehenzubleiben, um ein paar Fotos zu schießen.



Von da an war die Landschaft wirklich so schön, dass man am liebsten alle 2 Kilometer aufgehalten hätte, um ein Postkartenmotiv nach dem anderen einzufangen. 

Nach wenigen Kilometern sind wir in der idyllischen Jusnesvikabucht (D) angelangt

Die Küstenabschnitte auf denen wir unterwegs waren wurden zunehmend schmäler, die Berge immer höher und die straßen immer enger und kurvenreicher. Irgendwann befanden wir uns inmitten der atemberaubenden Kulisse, die man von so manchen Reisemagazinen kennt und die die Lofoten zu einem der beliebtesten Reiseziele in Norwegen macht.

Rund um Reine bilden die steil emporragenden Gipfel eine beeindruckende Kulisse (E)
Idyllisch gelegen: das kleine Fischerdorf Reine (F)

Da wir nicht zu spät zur Fähre kommen wollen, setzten wir unsere Fahrt nach einigen Fotos fort. Die Landschaft zog unsere volle Aufmerksamkeit auf sich und so bemerkten wir gar nicht, dass wir am Fährhafen in Moskenes (H) vorbeifuhren. Dementsprechend staunten wir nicht schlecht, als irgendwann die Straße zu Ende war und in einem kleinen Parkplatz mündete. Wir waren im 100-Einwohner-Dorf Å (G), sozusagen dem Ar*** der Lofoten, angelangt. Der Name des Örtchens ist übrigens bezeichnend: Å ist nämlich der letzte Buchstabe im Norwegischen Alphabet. Nach dieser Überraschung machten wir kehrt und rauschten die fahrradstreifenbreite Straße zurück nach Moskenes, wo wir unser Auto 2 Stunden vor Abfahrt der Fähre in der vorgesehenen Spur abstellten. Nachdem wir auch das Fährticket gelöst hatten, nutzten wir die freie Zeit für eine kurze Wanderung auf einen Hügel.

In Reihe 4 wartet unser Passat darauf, an Bord genommen zu werden
Vom Hügel aus bietet sich ein schöner Ausblick auf den Hafen von Moskenes
Nach 5 Tagen "on the Road" trage ich Bernie auf Händen ;)

Rechtzeitig vor der geplanten Abfahrt der Fähre um 19.30 Uhr waren wir wieder bei unserem Auto und ahnten bereits Schlimmes, als wir die vielen PKWs und Wohnwagen auf der Spur für vorreservierte Fahrzeuge sahen. Sollten wir tatsächlich nicht mehr auf die Fähre kommen? Und tatsächlich: Nachdem die ersten 3 Spuren im Bauch des Schiffes verladen waren, war Schluss. Selbst mit einem Fiat 500 hätten wir nicht mehr Platz gehabt und so mussten wir auf die nächste Fähre mit geplanter Abfahrt um 23.00 Uhr warten. Sich (wie viele andere) darüber aufzuregen, hätte garnichts gebracht. Also taten wir das, was man in so einer Situation immer tun sollte: Wir lehnten uns zurück und tranken eine Tasse frisch zubereiteten Kaffee :)



Die 3 Stunden zustätzliche Wartezeit vergingen erstaunlich schnell und so waren wir beinahe überrascht, als sich vor uns erneut ein mächtiges Schiffsmaul öffnete.


Dieses Mal waren auch wir an der Reihe und so verließen wir um 23.10 schließlich die beindruckenden Lofoten. 



Nach kurzer Fahrtzeit stellten wir fest, dass unsere Verspätung etwas Gutes mit sich brachte. Etwas verdammt Gutes! Dadurch, dass wir die Inselgruppe erst zur späten Stunde verließen, kamen wir in den Genuss eines beeindruckenden Sonnenuntergangs - oder besser gesagt, mehrerer Sonnenuntergänge. Denn kaum war die Sonne hinter einem Gipfel verschwunden, tauchte sie kurze Zeit danach etwas weiter rechts wieder auf, um sich gleich danach hinter dem nächsten Gipfel zu verstecken.


 

Auch wenn es an Deck eiskalt war, fiel es schwer, ins warme Innere des Schiffes zu gehen und dadurch auf diesen Anblick zu verzichten. Eine gute Stunde lang trotzten wir Wind und Wetter, bevor wir uns eine wärmende Tasse Kaffee gönnten (nein, wir sind keine Koffeinjunkies - die Teeküche war geschlossen). Die restliche Zeit an Bord - die Überfahrt dauerte mehr als drei Stunden - nutzten wir zum Aufladen unserer Akkus (unsere eigenen Batterien blieben jedoch leer) und für ein lustiges Skype-Gespräch mit unserem Kumpel Marc, der zuhause in Graz noch immer nicht ans Schlafengehen dachte. Um 02.20 Uhr gingen wir in Bodø (I) schlussendlich wieder an Land.



Nun hieß es schnellstmöglich einen Zeltplatz zu finden. Da wir die ersten Kilometer durch urbanes Gebiet fuhren, war dies gar nicht so einfach. Erst nach 40 Kilometern hatten wir endlich ein Plätzchen (J) gefunden, das sich halbwegs zum Campen eignete. Wie gut es sich tatsächlich eigenete, wird euch Bernie am Beginn des nächsten Postings schildern ;)

Wie immer gibt es wieder viele weitere Fotos in der Tagesgalerie zu sehen: Tag 5: Lofoten

Montag, 30. Juli 2012

Tag 4: Tromsø - Traumstadt im Norden

Tag 4 begann so, wie Tag 3 geendet hatte: Vollkommen relaxt am Ufer des sonnigen Lyngenfjord:



Nach einer vorzüglichen Tasse Kaffee und einem leckeren Rührei (für unsere Freunde aus Deutschland: Eierspeise), konnten wir unsere Reise ausgeschlafen und gut gestärkt fortsetzen. Unser Plan für diesen Tag: Nochmal Richtung Norden bis nach Tromsø (B, C), dann wieder retour nach Süden, um so weit wie möglich in Richtung Lofoten zu kommen:


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Nach gut 1 3/4 Stunden hatten wir die 118km bis nach Tromsø zurückgelegt und fuhren auf direktem Wege ins Zentrum der 70.000-Einwohner-Stadt, die nicht nur die größte Stadt im Norden Norwegens ist, sondern auch als nördlichste Uni-Stadt der Welt gilt. 

Über die Tromø-Brücke geht es auf die Insel Tromsøya, auf der das Zentrum der Stadt liegt

Downtown Tromsø
Nach einem schnellen Mittagessen im örtlichen Burger King nutzten wir das herrliche Wetter und die angenehme Temperatur von 17°C um etwas durch die Straßen der Stadt zu flanieren. Mit unserer Suche nach einem coolen Café wurden wir im alten Kino namens "Kinematograf" fündig. Dort hing das Vinyl nicht nur zur Zierde an den Wänden, sondern wurde auch "aufgelegt" und sorgte so für eine passende akkustische Atmosphäre. Ganz nebenbei erhielten wir in diesem stylischen Laden auch unseren ersten professionell zubereiteten Cappuccino in Norwegen ;)

Das Kinematograf kann nicht nur mit einem stylischen Cafè, sondern auch mit einem prunkvollen Kinosaal aufwarten

Nachdem wir also unseren ersten richtigen Cappuccino hier oben genossen hatten, setzten wir uns wieder ins Auto und erkundeten noch schnell den Rest der Insel. Auf der anderen Seite des Hügels (C) - auf der Westseite - bot sich uns ein malerischer Ausblick:


Beeindruckt von dieser Landschaft, beschlossen wir, noch einen Abstecher auf den 418m hohen Storsteinen, den Hausberg Tromsøs, zu machen. Auch wenn eine Wanderung da rauf eine schöne Sache gewesen wäre, mussten wir aus Zeitgründen die Seilbahn in Anspruch nehmen. Egal wie man auf den Berg kommt, die Aussicht von dort oben macht alle eventuell in Kauf genommenen Mühen vergessen.

Blick auf die nördlichste Uni-Stadt der Welt
Nachdem wir die prächtige Aussicht ausführlichst genossen und unzählige Fotos geknipst hatten (siehe Fotogalerie von Tag 4), statteten wir noch der Eismeerkathedrale, der nördlichsten Kathedrale der Welt und Wahrzeichen Tromøs, einen kurzen Besuch ab. 


Leicht wehmütig verließen wir die Stadt dann wieder, freuten uns aber gleichzeitig auf das Bevorstehende. Unsere Fahrt führte uns wieder nach Süden, in Richtung der Lofoten. Dass wir diese an diesem Tag nicht mehr erreichen würden, war uns klar, jedoch wollten wir möglichst weit kommen, um am nächsten Tag mehr Zeit für die beeindruckende Inselgruppe zu haben. Nach einiger Zeit auf der Straße stellten wir fest, dass sich nicht jeder in Norwegen an die strengen Tempolimits hält:




Leider wurde auch das Wetter immer schlechter je weiter wir nach Süden vorrückten. So präsentierte sich die Landschaft grau in grau, was aber in gewisser Hinsicht wieder eine interessante, mystische Stimmung schuf. 

Über die Tjeldsundbrücke (D) kommen wir auf die Insel Hinnøya

Auf Hinnøya, der nach Spitzbergen größten Insel Norwegens, angekommen, hielten wir Ausschau nach einem geeigneten Zeltplatz. Dieser war auf der gebirgigen aber überraschend dicht besiedelten Insel gar nicht so leicht zu finden. Entweder befanden sich mögliche Plätze in unmittelbarer Nähe zu privaten Häusern, oder der Untergrund war so steinig, dass wir keinen Haken in den Boden brachten. Nach etwa zwei Stunden Fahrt, in der wir nichtsdestotrotz gut gelaunt Ausschau hielten, fanden wir gegen 23.30 Uhr endlich ein halbwegs geeignetes Plätzchen (E).


Übrigens: Das Gas reichte doch noch aus und so konnten wir zum Abschluss des Tages noch eine warme Suppe genießen ;)

Tag 5 sollte eines der absoluten Highlights unseres Trips werden: Grandiose Landschaften und herrliches Wetter machten die Lofoten zu einem echten Erlebnis - dazu aber mehr im nächsten Eintrag!

Viele weitere Fotos von Tag 4 gibt es in der Galerie Tag 4: Skibotn - Tromsø - Hinnøya. Viel Spaß damit.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Tag 3: Bekannte Gesichter und atemberaubende Landschaften

Das Aufstehen fiel am dritten Tag unserer Reise nicht besonders schwer. Temperaturen knapp über dem Nullpunkt und heftiger Wind hatten die Nacht im Zelt zu einem sprichwörtlich erfrischenden Erlebnis gemacht. Dennoch hatte der Schlafplatz in dieser rauen Gegend was - einfach "cool" eben ...



Umso wichtiger war es nun, etwas Warmes in unsere Körper zu bekommen. Was wäre am "frühen" Morgen besser geeignet, als ein frisch zubereiteter Kaffee? Praktisch, wenn man jemanden dabei hat, der sich mit Kaffee auskennt (oder zumindest so tut, als ob). Als Barista hatte Bernie natürlich beste äthiopische Kaffeebohnen mitgebracht, dazu eine kleine handbetriebene Mühle, die es uns erlaubte, die Bohnen immer erst kurz vor der Zubereitung zu mahlen. Mit der handlichen AeroPress zubereitet, welche auf dem Prinzip des Filterkaffees basiert, gab es so jeden Morgen aromatischen Kaffee.

Selbst am Nordkap verzichten wir nicht auf frisch gemahlenen Kaffee!


Nachdem wir uns also mit frischem Kaffee und Schokodonuts gestärkt hatten, wurde unser Zelt in Windeseile abgebaut, das letzte Geschirr gewaschen und alles im großen Kofferraum unseres Passats verstaut. Kaum auf dem Fahrer- und Beifahrersitz Platz genommen, sorgte Bernie wieder für ein "warmes Popscherl" (Sitzheizung auf MAX!), dann ging's weiter Richtung Süden. Unsere erklärtes Tagesziel: Mindestens die Lyngen Lodge in Djupvik (H) erreichen, dort warteten nämlich bekannte Gesichter auf uns. Tatsächlich schafften wir es dann sogar noch ein paar Kilometer weiter bis nach Skibotn (I) - am Ende spulten wir an diesem Tag 440km auf den Tacho.


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Die ersten Kilometer auf der E69 gestalteten sich recht unspektakulär, kurze Zeit nachdem wir wieder auf die E6 abgebogen waren (B), wurden wir allerdings aus unseren Tagträumen gerissen. In einer Kurve hatte ein Mitglied einer deutschen Motorradgruppe offenbar vergessen, dass man in Kurven lenken muss - und landete folglich recht unsanft im Straßengraben. Wir blieben natürlich stehen und leisteten Erste Hilfe. Diese beschränkte sich jedoch mehr oder weniger darauf, den anderen dabei zu helfen, das Motorrad aus dem Graben zu ziehen. Dem Biker war Dank seiner guten Ausrüstung nicht viel passiert. Seine Maschine erwischte es dagegen schlimmer. Nach dieser guten Tat sprangen wir wieder ins Auto, belohnten uns mit einem Chocolate Chip Cookie (die besten in ganz Norwegen) und einer Dose Red Bull und setzten unsere Fahrt Richtung Südwesten fort. Von nun an wurde auch das Wetter immer besser und die Landschaft wurde immer beeindruckender.

Zuerst ging es über eine Hochebene (C) "runter" nach Alta. Die pfeilgeraden Straßen dort oben erinnerten uns ziemlich an jene in den USA, sie sollten aber auch die letzten dieser Art während unserer weiteren Reise bleiben.

USA? NO(R)WAY!







Am Altafjord angekommen, mischten sich erstmals kräftige Farben in die Landschaft. So präsentierte sich auch das Örtchen Talvik (E) von seiner besten Seite.

Talvik

Wie schon auf der Hochebene vor Alta, kreuzten auch am Langfjorden unsere vierbeinigen Freunde wieder einmal die Straße.



Blöderweise konnte Bernie nicht mehr rechtzeitig bremsen, aber so mussten wir uns zumindest um das Mittagessen keine Gedanken mehr machen. Nachdem wir das Tier im Kofferraum verstaut hatten,  fanden wir kurze Zeit später am Ende des Langfjorden (F) direkt am Wasser einen idyllischen Platz für unsere Mittagspause.


Mittagessen am Norwegischen Fjord - in diesem malerischen Ambiente schmeckt alles gleich doppelt so gut!






Liebe Tierschützer, keine Panik. Das mit dem Überfahren des Rentiers war natürlich ein Scherz. Da wir uns stets an das Tempolimit von 80 km/h hielten, taten wir während der gesamten Fahrt keinem (Ren)Tier etwas zuleide. Auf dem Speiseplan standen Fleischklöße (aus der Dose) mit Kartoffeln. Da der Geschmack dieser Klöße aber undefinierbar und der Text auf der Dose für uns unverständlich war, können wir nicht mit Sicherheit ausschließen, dass wir nicht doch Rentier verzehrt haben ;) Apropos Tempolimits: Wer in Norwegen mit dem Auto unterwegs ist, hält sich besser an diese. Das Land hat europaweit die höchsten Strafen fürs Zu-Schnell-Fahren. Bei 20 km/h über der erlaubten Geschwindigkeit muss man bereits mind. 400 Euro hinlegen! Und so taten wir das, was Touristen immer tun: Wir cruisten schön gemächlich durchs Land. 

Das langsame Fahren war sowieso notwendig. Einer von uns beiden hing nämlich ständig halb aus dem Fenster, um die beeindruckende Landschaft dieser Gegend auf "Zulluloid" zu bannen. Nach 50km kurvenreicher Strecke konnten wir am Kvaenangenfjord (G) aber nicht anders, als stehen zu bleiben. Diesen Ausblick mussten wir einfach genießen:


Ich werde meinem Sternzeichen gerecht und stelle mich auf einen Felsen hoch über dem Fjord





Lyngen Lodge

Bereits 72 km nach diesem landschaftlichen Highlight erreichten wir einen der wenigen fix eingeplanten Tourstopps unserer Reise: die Lyngen Lodge (H). Der Grund für diesen Stopp ist schnell erklärt: Veronika, eine alte Freundin aus dem schönen Sillian, ist mit Graham, dem Gründer und Eigentümer der Lodge, liiert. Gemeinsam mit ihm und seinem Team kümmert sie sich um das Wohl der Gäste. Daran, dass es diesen in der Lyngen Lodge an wirklich nichts fehlt, konnten wir uns selbst überzeugen.

Im Örtchen Djupvik thront die Lodge idyllisch gelegen etwas erhöht über dem östlichen Ufer des Lyngenfjord. Von der Terrasse aus bzw. durch die großen Fenster der gemütlichen Lounge hat man einen umwerfenden Blick auf die gegenüberliegenden zum Teil schneebedeckten Gipfel der Lyngen Alps.

Bernie erkundet die gegenüberliegenden Gletscher der Lyngen Alpen



Vor allem im Winter ist die Lodge bei Tourenskigehern aus aller Welt beliebt. Für die Wintersaison 2013 ist man bereits so gut wie ausgebucht. Aber Graham und sein Team bieten ihren Gästen auch im Sommer ein unwiderstehliches Angebot: Maximal 16 Personen werden hier bei Vollbelegung mit kulinarischen Leckereien und abenteuerlichen Freizeitaktivitäten verwöhnt. Gegessen wird - fast wie zuhause - gemeinsam am großen Esstisch. Dieser wird allabendlich in mehreren Gängen mit delikaten Speisen gedeckt, welche vom Profi in der offenen Küche zubereitet werden. Auf der Terrasse oder im Jacuzzi können die Gäste anschließend bei einem prickelnden Drink das rötliche Licht der tiefstehenden Sonne genießen, die sich langsam am Horizont entlang bewegt, im Sommer aber nie ganz unter geht. Höchstes Niveau in familiärer Atmosphäre - Urlauberherz, was willst du mehr?

Das Esszimmer der Lyngen Lodge


Blick von der Terrasse auf den Lyngenfjord und die dahinter liegenden Lyngen Alps



Wer sich selbst (oder jemand anderen) mit einem Urlaub der Sonderklasse belohnen möchte, findet auf der Website der Lyngen Lodge alle notwendigen Infos dazu: www.lyngenlodge.com

Zufällig war in dieser Woche auch Veronikas Vater Helmut und ihr Bruder Johannes zu Besuch. Gemeinsam mit ihnen und Veronika konnten wir eine unterhaltsame Stunde in der Lyngen Lodge verbringen. Bevor wir uns wieder ins Auto setzten, ließ uns Veronika noch einen Blick in ihr neues privates Heim werfen.

Vom Wohnzimmer aus haben Graham und Veronika einen grandiosen Blick auf ihre Lodge und den Lyngenfjord



Schwer begeistert verließen Bernie und ich die Lodge gegen 19.30 Uhr wieder, um noch ein paar Kilometer auf unserem Road Trip zurücklegen zu können. Geworden sind es noch 85, bevor wir nach einer wunderschönen Fahrt entlang des Lyngenfjord den Campingplatz erreichten, den uns Veronika vorgeschlagen hatte.

Die tiefstehende Sonne taucht Fjord und Berge in prächtiges Licht

Unser Zeltplatz in Skibotn. Im Vergleich zum Nordkap purer Luxus!

Im Vergleich zu unserer ersten Nacht im Zelt am Nordkap, bot der Camping Platz wahren Luxus: Einen Untergrund, in den man die Zelthaken auch ohne Presslufthammer versenken konnte, angenehme 15°C bei Windstille, WCs (echte WATER closets und nicht nur ein Loch  mit Klobrille drum rum) und sogar Duschen. Gegen die lästigen Stechmücken  half der übermäßig giftige und deshalb illegale Mückenspray, den wir schon in Kirkenes in einem kleinen Sportgeschäft erstanden hatten  - und somit hatten wir fast alles, um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. Es fehlte nur noch ein Bier - und siehe da, auch an dieses hatten wir beim Einkaufen gedacht. Der Abend war somit richtig entspannt - ein perfekter Abschluss für einen genial Tag.

Viele weitere Fotos von Tag 3 findet ihr in der Fotogalerie Tag 3: Nordkap - Lyngen - Skibotn.

Der vierte Tag unserer Reise führte uns zuerst nochmal einige Kilometer Richtung Norden in die nördlichste Uni-Stadt der Welt, wo wir von hoch oben einen wunderbaren Ausblick genossen, und führte uns dann wieder Richtung Südwesten, wo wir am Beginn der Lofoten stundenlang nach einem Campingplatz Ausschau hielten. Mehr dazu aber im nächsten Post!